Naturstrolche
„Es gibt eine Sprache,die ist älter und tiefer als Worte.
Es ist die Sprache der Körper,
von Körper an Körper,
Wind an Schnee,
Regen an Bäumen,
Wellen an Stein.
Es ist die Sprache der Träume, Gesten,
Symbole, Erinnerung.
Wir haben diese Sprache vergessen,
wir erinnern uns nicht einmal daran,
dass es sie gibt.”
Derrick Jensen ,Geb. 1960, Amerikanischer Autor und Umweltaktivist
Ich kenne Kinder, die haben mit sechs Jahren noch nie den Wald von innen gesehen, waren noch nie in einem gestanden. Man kann sich unschwer vorstellen, was das für ihre und unsere Zukunft bedeutet. Diese Kinder ahnen nichts von dem Regen an Bäumen, kennen keine Sprache der Träume der Natur, weil wir sie selbst immer mehr und mehr verlieren.Ich mache mich stark für das Anliegen, den Kindern unsere Erde wieder zurückzugeben, Schritt für Schritt, sie erben sie von uns, sie entscheiden später, ob sie die Natur lieben und wertschätzen oder ob sie sie weiter zerstören werden, weil sie sie nicht kennengelernt haben. Man kann nur lieben und schätzen, was man kennt.
Wer bin ich?
Ich arbeite seit 20 Jahren als Erzieherin in einem Kindergarten in Erlangen. Seit 2001 habe ich die Leitung des Kindergartens übernommen.
Von 2004 – 2006 habe ich eine Weiterbildung zur Diplom-Montessori-Padagogin absolviert.
Seit 2007 mache ich eine Weiterbildung zur Systemischen Beraterin im Institut Miramis, Nürnberg.
Seit Mai 2008 biete ich in meinem Kindergarten das Projekt Naturstrolche des Vereins VNUB an.
Wie kam ich zu den Naturstrolchen?
Ich wurde von Herrn Roland Engert, Vorsitzender des Vereins VNUB (=Verein für Natur- und Umweltbildung) im Oktober 2007 angeschrieben und über das Projekt „Naturstrolche“ aufgeklärt.
Nach Absprache mit meinem Team vertieften wir uns in die Projekt-Ideen und entschieden, für unsere Vorschulkinder ein Vierteljahr das Naturstrolcheprojekt durchzuführen. Wir gingen zweimal wöchentlich in die Natur: Entweder in den Wald oder auch direkt vor unsere Haustüre, z.B. unserem Kindergartengarten und entdeckten Großes und Kleines.
26 Kinder konnten es kaum erwarten, wieder etwas Neues zum Thema Natur zu entdecken und zu erleben und waren immer sehr aufgeregt und mit voller Begeisterung dabei.
Ein Artikel in der regionalen Zeitung führte dazu, dass sich das Frankenfernsehen für unser Projekt interessierte und so kam es dazu, dass wir zweimal mit einem dreiköpfigen Fernsehteam begleitet wurden und diese Berichte im Anschluss im Fernsehen ausgestrahlt wurden.
Wie schwierig ist es, die Projektideen in den Kindergartenalltag umzusetzen?
Die einzelnen Projekttage sind sehr gut beschrieben von Herrn Engert und sehr einfach und ohne viel Vorbereitung in die Tat umzusetzen. Das Gute daran ist auch, dass das Projekt überhaupt nicht kostenintensiv ist, denn wir brauchen hauptsächlich Material, das uns die Natur bietet.Wie profitiert ein Kindergarten von den Naturstrolchen?
Ich kann von mir erzählen, wo meiner Einschätzung nach die Vorteile dieses Projektes liegen:
- Naturbezug der Kinder: Es war sehr beeindruckend, mit welcher Begeisterung die Kinder sich in die einzelnen Projekte eingebracht haben und was sie im Laufe der Wochen alles auf sehr natürliche und unverkrampfte Weise gelernt haben. Gingen wir zu Beginn des Projektes noch sehr unwissend in den Wald, so konnten die Kinder zum Ende hin Baumnamen und Blumen benennen. Auch hat mich beeindruckt, welches Vorwissen mancher Kinder schon in sich hatten und wie gut sie sich damit als Bereicherung für alle anderen einbringen konnten.
- Intensivierung der Elternarbeit: Wir haben von Anfang an die Eltern in das Projekt mit einbezogen, in dem wir nach jedem Projekt-Tag eine Pinnwand als Ausstellung verwendeten, auf denen wir z.B. Naturkunstwerke, die wir im Wald gestalteten, gemalte Bilder, gesammelte Blumen etc. und einen Din-4 seitigen Tagebuchtext (Was haben wir alles erlebt heute?) ausstellten. Es fanden sich immer Eltern vor dieser Pinnwand, die selbst staunten über ein naturwissenschaftliches Experiment, bzw. über die Kunstwerke ihrer Kinder. Zum Abschluss feierten wir ein großes Fest, an dem sich viele Eltern beteiligten und mitgingen. Naturstrolche war in aller Munde und es verstummten die Forderungen nach typischen Angeboten im Kindergartenalltag, die ja gerade im Erzieherinnenberuf oft zu einer großen Erwartungsdruckbelastung führen.
- Stärkung des Teams: Wir konnten aufgrund unseres gemeinsam ausgeführten Projektes eine neue und sehr gute, motivierende Form der Zusammenarbeit finden. Auch hier überraschten mich die Kolleginnen damit, dass sich Stärken und Talente zeigten, die dem Projekt einen enormen Beitrag schenkten, die eine mit einer ungeahnt kreativen Vielfalt, die andere mit viel Sachwissensbeiträgen etc. So pflanzte sich die Begeisterung nach und nach bei jedem ein und wir wuchsen sehr zum Guten zusammen. Schnell stand fest, dass wir dieses Jahr weitermachen werden mit diesmal 33 Vorschulkindern.
Wie machen wir jetzt konkret weiter im Kindergartenjahr 2008/09?
Wir machen aus den Naturstrolchen ein Jahresprojekt, das bedeutet, dass wir jeden Monat einmal an zwei Tagen mit den Vorschulkindern in die Natur hinausgehen. Vorteil ist, dass die Kinder den Jahreszeitenwechsel miterleben können und ihnen die Veränderungen in der Natur sehr deutlich werden.
Das Projekt wird von uns auch verändert: Viele eigene und neue Ideen entwickeln sich, wir gehen von den bisherigen Vorgaben des VNUB´s weg, machen einige Einheiten von Herrn Engert, und gestalten einige Projekttage selbst. Das ist kein Problem, weil sich der Verein dafür auch geöffnet hat und nicht erwartet, dass jeder Kindergarten sich an die Angaben halten muss.
Wir beginnen, mit anderen Personen und Trägerschaften zusammenzuarbeiten, wie z.B.:
- Vogelstimmenwanderungen mit einem Biologen aus Erlangen.
- Kräuterwanderung mit einer Kindergartenmutter
- Waldweihnachten im Walderlebniszentrum Tennenlohe
- Zusammenarbeit mit der Firma wissenswertes.biz als Referenzkindergarten.
Multiplikatorin für das Projekt Naturstrolche
Ich biete mich seit Oktober 2008 als Multiplikatorin für das Naturstrolcheprojekt an. Zusätzlich bin ich seit Januar 2009 die Öffentlichkeitsbeauftragte des Projektes und kümmere mich um das regionale Bekanntwerden der Naturstrolche. Wer kann sich an mich wenden? Kindertagesstätten und Grundschulen der 1. + 2. Klasse.
Ich möchte Rede und Antwort stehen für Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen und Lehrer/innen, die in das Projekt einsteigen möchten, aber noch viele Fragen haben, die sie im Vorfeld geklärt haben möchten mit einer Fachfrau, die in dem angesprochenen Berufsfeld steht, in dem sich das Projekt umsetzen lassen kann.
Ich teile gerne meine Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe und kann mir auch vorstellen, unsere Ideen zum Jahresprojekt weiterzugeben.
Ich weiß darum, dass es manchmal erst einmal wie ein unüberwindbarer Berg erscheint, etwas Neues in einem Kindergarten zu starten, weil die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit enorm hoch ist und man sowieso schon nicht mehr weiß, wie man alles unterbringen kann.
Hier möchte ich Mut machen und jeden, der sich für das Projekt entscheidet, begleiten, wenn er es wünscht.